------------------------------------------------ Eine erste Buchkritik von Prof. Dr. Rolf Hildebrand / Berlin: Schon lange erwartet und nun endlich verfügbar: Das Buch, in dem die Ergebnisse der gemeinsamen Bemühungen („zahlreiche Expertensitzungen und Workshops“) der Arbeitsgruppen „Medizin-Controlling“ und „Qualitätsmanagement in der Medizin“ der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS) seit 2001 mit dem Ziel der Erstellung eines Praxishandbuchs gebündelt und „eine gemeinsame Sprache für das Behandlungspfad-Management“ entwickelt“ wurden. Mit CD-ROM (Programmpräsentationen und Softwaretools). Hier die - teilweise gekürzte Gliederung: Vorwort Abkürzungsverzeichnis Zielsetzungen Was sind integrierte Behandlungspfade (IBP)? Grundlagen Integrierter Behandlungspfade Design des Pfades Anforderungen an die Informationsverarbeitung im Gesundheitswesen Pfad-Controlling - Pfadkostenrechnung Projektmanagement zur praktischen Umsetzung von integrierten Behandlungspfaden Beispiel für einen Integrierten Behandlungspfad Ausblick Integrationsversorgung und Telematikinfrastruktur Glossar zum Projektmanagement im Gesundheitswesen und zu Integrierten Behandlungspfaden Anforderungskatalog Integrierte Behandlungspfade - Software-Übersicht Im KIS integrierte Software "Stand-alone"-Lösungen Stichwortverzeichnis Das Buch hat gut 370 Seiten. Es steckt erkennbar sehr viel Sorgfalt und Arbeit vieler Beteiligter darin. Die Kurz-Steckbriefe der Autoren heben sich positiv von der Masse ab. Gleichwohl erscheint die Gliederung auf den ersten Blick nicht sonderlich plausibel. Wir wollen die uns wichtig erscheinenden Gliederungspunkte daher einzeln durchgehen. Die CD-ROM wirkt wie die Reklame einiger weniger und bei weitem nicht aller im Buch aufgeführten hiesigen Anbieter. Abkürzungsverzeichnis: Eine hochinteressante Sammlung von Abkürzungen, von denen der Rezensent teilweise noch nie gehört hat (Sinn? Auswahlkriterien?). Die Englischkenntnisse der Bearbeiter halten sich offensichtlich in Grenzen. Zielsetzungen: Hier sticht ein bemerkenswerter Satz ins Auge: „Aus einem vermeintlichen Interpretationsspielraum heraus ist die Anwendung von Begriffen aus dem Prozessmanagement einer gewissen Beliebigkeit unterworfen“. – Sehr wahr! Was sind integrierte Behandlungspfade (IBP)? Eine Menge ordentliche – aus deutschsprachigen Quellen bisher nicht gelesene – Systematik im Detail, doch insgesamt arg theoretisch. Dass Klinische Pfade in erster Linie der Qualitätssicherung und -optimierung dienen, ist dem Autor leider nicht eingefallen. Grundlagen Integrierter Behandlungspfade: Wie zuvor, nur noch theoretischer: Das klingt, als ob die klinische Realität gar keine Rolle spielte. Man möchte gern einmal „seit mehr als 12 Jahren“ implementierte Pfade des Autors ansehen. Prozessanalyse zur Entwicklung Integrierter Behandlungspfade: Pfadunabhängige Methodenbeschreibung. Design des Pfades: Eine Menge nützlicher Details, gleichwohl immer wieder „typisch deutsch“ verschwommen: „Individuelle Änderungen im Behandlungsablauf sind jederzeit möglich“ – in welchen Grenzen??? Anforderungen an die Informationsverarbeitung im Gesundheitswesen: Solide Theorie, schon für sich allein als Pflichtlektüre zu empfehlen! Etwas geringer Pfadbezug. Pfad-Controlling – Pfadkostenrechnung: BWL-Grundlagen O.K. Verdienstvoll der Hinweis, dass die als „Pfadkostenrechnung“ bezeichnete Vorgehensweise keine echte Prozesskostenrechnung ist (Seite 176) und es sich bei beiden um Kalkulationen handelt (und nicht um eine Kostenträgerkameralistik, in der fallweise die bewerteten Einzelleistungen erfasst werden). „Folgende Fragen ... Pfad Controlling ... für die Pfadsteuerung und das Pfadredesign relevant ...“ (Seite 172) zeigen, dass Autoren Sinn der Pfade nicht klar zu sein scheint. „Mit Hilfe der integrierten Behandlungspfade kann der wertschöpfende Leistungsprozess bewertet werden ...“ Sehr wahr, allerdings nur, wenn der Pfad gleichartig abläuft, weil die Pfadkosten andernfalls nur Durchschnittswerte einer riesigen Bandbreite sind! Projektmanagement zur praktischen Umsetzung von integrierten Behandlungspfaden: Tadellose Kurzbeschreibung. Beispiel für einen Integrierten Behandlungspfad: Sehr nützliche Grundlage, sich in die Materie hineinzudenken und Mindestformalismen einzuhalten, aber als Muster einer Pfadbeschreibung noch viel zu allgemein! Ausblick Integrationsversorgung und Telematikinfrastruktur: Kurzausflug in die Gesundheitspolitik. Glossar zum Projektmanagement im Gesundheitswesen und zu Integrierten Behandlungspfaden: Enorme Fleißarbeit, viele nützliche Hinweise, die allerdings nur den hiesigen Erkenntnisstand und nicht die Materie insgesamt umfassen. Anforderungskatalog: Sehr nützliche Zusammenstellung mit den zuvor aufgezeigten inhaltlichen Grenzen Im KIS integrierte Software: Hilfreiche, wenn auch mit Vorsicht zu genießende Übersicht. "Stand-alone"-Lösungen: Wie zuvor. Stichwortverzeichnis. Insgesamt trotz aller Mängel, die eher dem generellen hiesigen Erkenntnisstand und selten den Autoren angelastet werden müssen, die bisher mit Abstand beste, aus einer deutschsprachigen Quelle stammende Veröffentlichung zur Materie! Eine wirklich professionelle Gebrauchsanweisung zum Thema Klinische Pfade harrt allerdings auch weiter ihrer Realisierung. Gleichwohl (+++). ------------------------------------------------